Teilen und herrschen

Teilen und herrschen
hat schon vor Jahrhunderten funktioniert und funktioniert noch immer, meistens sehr gut. Ob man das auch von der neuerdings in Mode kommenden LINKEN Variante sagen kann, erscheint mehr als fraglich. Bei der zerlegen sich nämlich die Linken selbst, was den Herrschenden natürlich das Herrschen wesentlich einfacher macht…

Anlässe, das zu konstatieren, gibt es mehr als genug. Anstoß für diese Zeilen ist ein Text (150513-Erklaerung-LV-05-2015), den ich zufällig erhielt und der in Form und Inhalt zu Verwunderung Anlass gibt.

Die Form

Die Form erscheint mir verwunderlich, weil das knapp zweiseitige Dokument lediglich mit einer pauschalen Absenderangabe (DIE LINKE. Mecklenburg-Vorpommern) und einem Datum versehen ist. Genauere Angaben zum Absender und eine Unterschrift fehlen. Dem Text nach stammt das Dokument von ’solid M-V, geschrieben aber wurde es vom Landesgeschäftsführer der LINKEN M-V am 11.5.2015 (nicht etwa mit einer freien Software wie z.B. mit LibreOffice, sondern mit Microsoft Word! Schön, wenn auch DIE LINKE zum Erhalt von Microsoft im besonderen und des Kapitalismus im allgemeinen beiträgt, trotz eingestandener Finanznot).

Einer Email des Landesgeschäftsführers zufolge handelt es sich um „eine zwischen dem SprecherrInnen-Rat von solid und Heidrun Bluhm abgestimmte Erklärung“, der die Mitglieder des Landesvorstandes im Umlaufverfahren zustimmen sollen. Diskussion war nicht vorgesehen, Zustimmung binnen eines Tages wurde erwartet. Diese Form lässt bemerkenswerte, wichtige Inhalte erwarten. Schauen wir drauf!

Die Inhalte

Weil Form und Inhalt in der Regel miteinander in Beziehung stehen, darf es uns nicht verwundern, wenn auch die Inhalte etwas befremdlich wirken.

Anmerkung: Wenn wir nachstehend zitieren, übernehmen wir nicht die ziemlich häufig vorkommenden Rechtschreibfehler. Der Text delegitimiert sich alleine schon vom Inhalt hinreichend.

1.

„Die ‚Deutsche Friedensgesellchaft – vereinigte Kriegsgegnerinnen“ und insbesondere auch Monty Schädel waren zuletzt heftigen Angriffen durch Vertreter_innen einer Bewegung ausgesetzt, die sich selbst als eine Art _neue Friedensbewergung“ betrachtet.“

Merke:

  • Nicht die DFG-VK, sondern Monty Schädel wurde kritisiert. Und wer eine Ikone kritisieret, egal ob zu recht oder fälschlicherweise, der begeht Blasphemie und kommt in Acht und Bann!

  • Die Inhalte der Kritik interessieren – natürlich! – nicht.

„Der Beschluss der DFG-VK, sich von dieser ‚Bewegung‘ zu distanzieren, wurde für einige ihrer Anhänger_innen zum Anlass für Drohungen und verbalen Attacken gegen unseren Genoss_innen. Dies offenbart, wie sehr bedenken berechtigt sind, die gegen eine Beteiligung linker Organisationen an den sogenannten neunen Montagsdemos sprechen.“

Merke:

  • Weil Einige der ungeliebten Friedensakteure Kritik äußerten, wollen die Verfasser der „Umlauferklärung“ mit allen nichts mehr zu tun haben.

  • Das offenbart, wie berechtigt die Distanzierung seitens der LINKEn ist?

2.

Es soll im Landesverband eine Debatte stattfinden auf grund von

„Äußerungen einzener Mitglieder und Funktionäre, die sich dazu hinreißen ließen, in den Sprechchor von Rechtspopulist_innen, wie Ken Jebsen und Jürgen Elsässer, einzustimmen. So richteten einige von Ihnen ihre Worte nicht nur gegen Monty Schädel und die DFG-VK – sie sprachen sich de facto auch für zweifelhafte politische Strategien aus“.

Damit wir uns richtig verstehen: Eine landesweite Debatte zur Einheit und Reinheit der Partei? Abweichende Meinungen werden nicht mehr geduldet? Statut und Programm werden in diesen Punkten außer Kraft gesetzt?

3.

Zu den „zweifelhaften politischen Strategien“

„gehört auch eine politische Maxime, die den Schulterschluss linker Kräfte mit liberalen und bürgerlichen Organisationen fordert. Dies schließt auch die Zusammenarbeit mit Neofaschist_innen explizit nicht aus“.

Das ist sehr vage und zugleich irreführend formuliert. Warum schreiben die Verfasser nicht ehrlich und offen, dass sie in der Friedensfrage lieber alleine untergehen als zusammen mit allen anderen Friedenswilligen sich engagieren wollen? Nur um die Friedensfrage geht es, und bei ihr ist für jeden vernunftbegabten Menschen Zusammenarbeit angesagt!

Weil das so offen auf der Hand liegt, wird lieber nebulös von einem (allgemeinen) „Schulterschluss … mit lieberalen und bürgerlichen Organisationen“ fabuliert.

4.

Es kommt noch schlimmer:

„An dieser Stelle sei auf die zahlreichen Situationen der Geschichte verwiesen, in denen dieser Schulterschluss der gesellschaftlichen Linken zum Verhängnis wurde. – Jüngstes, tragisches Beispiel ist das Massaker von Odessa und die Verfolgung von Genoss_inen durch offen auftretende Faschist_innen in der Ukraine.“

Also nach diesem Text kam es in Odessa zum Massaker, weil die Linken den Schulderschluss „mit lieberalen und bürgerlichen Organisationen“ praktizierten. Nicht etwa, weil die linken Demonstranten allein blieben, allein dem faschistischen Mob ausgeliefert waren.

Wie kann man den Mord an den Genossen in Odessa in so schamloser Weise missbrauchen, um sein eigenes, verwirrtes Sektierertum zu rechtfertigen? Schande über Euch!

5.

„Warum einige Mitglieder unsserer Partei trotzdem noch immer glauben, dass die LINKE auf eine solche vorgeblich „politisch breite“ Massenbasis angewiesen ist, ist für uns unverständlich. Insbesondere da sich der Landesvorstand der Partei DIE LINKE bereit mehrheitlich gegen die Zussammenarbeit mit und die Beteiligung an den Neuen Montagsdemos ausgesprochen hat“.

  • „Politisch breite Massenbasis?“ Hat DIE LINKE schon lange nicht mehr, hätte sie aber verdammt nötig.

  • Ja, wenn der Landesvorstand die Richtung bereits vorgegeben hat… Mündige Mitglieder werden in dieser Partei offenbar nicht mehr gebraucht!

6.

Jetzt wird alles in einen Topf geworfen und zusammengerührt:

„Wir, die Mitglieder der Linksjugend [’solid] M-V, sind überzeugt, dass es nicht unsere Aufgabe ist, zusammen mit Nazis für unsere UND deren Interessen zu kämpfen…“

„… Die Aufgabe einer sozialistischen Partei sollte stets darin liegen, die Interessenvertretung der Ausgebeuteten, zu organisieren. Dies ist wohl kaum gemeinsam mit politischen Gegner_innen möglich, die fremd wirkende Menschen verfolgen, die die Aufhebung feministischer Grundforderungen fordern, die ein Verbot der Gewerkschaften und linker Parteien herbeisehen.“

Man nenne bitte wenigstens ein einziges Beispiel, wo ein Mitglied der LINKEN

  • „zusammen mit Nazis für … deren Interessen zu kämpfen“ versuchte,

  • mit politischen Gegnern zusammenzuarbeiten versucht(e), außer man denkt an Thüringen oder an die rot-rot-grünen Träume der Genossen Gysi, Bartsch & Co.,

  • mit Personen oder Organisationen zusammenarbeiten, die „die Aufhebung feministischer Grundforderungen fordern, die ein Verbot der Gewerkschaften und linker Parteien herbeisehen.“ So ein Schwachsinn!

7.

Das ganze kann man nur noch als ideologiefreie Verwirrtheiten bezeichnen. Ihr [’solid]en leistet gleich dreifach Arbeit für die politischen Gegner und die Opportunisten, indem Ihr

  • ganz im Sinn des FDS die Ausgrenzung der kritisch-engagierten Mitglieder und Sympathisanten unterstützt,

  • die Glaubwürdigkeit und Handlungsfähigkeit unserer Partei ernsthaft beschädigt und

  • mit hooligan-analogem Handlungsmuster – wer nicht so ist wie wir, der ist unser Feind – quasifaschistoides Verhalten praktiziert.

8.

Johann Wolfgang von Goethe formulierte die Maxime „teile und herrsche“ (in „Sprichwörtlich“, 1814) um und fügte einen Gegenvorschlag hinzu:

„Entzwei und gebiete! Tüchtig Wort;

Verein‘ und leite! Beßrer Hort.“

Oder einfach mal wieder das Solidaritätslied hören und singen…

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3 Antworten zu Teilen und herrschen

  1. ganz links schreibt:

    Zum Thema „Odessa“ einfach mal das aktuelle Interview mit dem Genossen Hunko lesen (http://www.rtdeutsch.com/19118/meinung/interview-zu-odessa-massaker-untersuchungsergebnisse-unerwuenscht/). Dort wird nochmals deutlich, wie irrational die Argumentation der Verfasser des „Umlaufbeschlusses“ ist (insbesondere Pkt. 4 des vorstehenden Artikels).

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  2. Günter Hering schreibt:

    Rainer Rupp: „Die linken Sektierer verwechseln den Friedenskampf mit Klassenkampf und machen alles falsch ! “
    Der ganze Vortrag findet sich auf https://www.youtube.com/watch?v=FNkPIACeNGI

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  3. GHP schreibt:

    Gefunden auf Russia Insider zum Thema Odessa:
    „Benjamin Bidder über das Odessa Massaker…

    Bidder präsentiert der deutschen Leserschaft Nicht-Nachrichten als Nachrichten: Es gab in Odessa ein paar Leute, die den Menschen aus dem Flammeninferno entkommen helfen wollten. Aber das war nicht die Nachricht, Herr Bidder! Die Nachricht war, dass Pro-Maidan-Faschisten das Gebäude anzündeten, nachdem sich Anti-Maidan-Aktivisten dort vor dem Mob in Sicherheit gebracht hatten. Und die Nachricht war: Die Maidan-Aktivisten haben auf sie geschossen und sie geschlagen als diese versuchten, den Flammen durch die Fenster zu entkommen. Aber wir erinnern uns: Maidan-Unterstützer als Mörder passen nicht in die SPIEGEL-Online-Geschichte.
    Bidder deutet in seinem Bericht an, dass die in dem Gebäude gefangenen Menschen den Brand selbst gelegt hätten. Er verweist dabei nur auf einen Maxim, den er nach dem Massaker in Odessa interviewte. Nun, Herr Bidder, das glaube ich einfach nicht!
    
    Er behauptet weiter, dass die Gegner des Maidan-Protests (Pro-Russen, wie er sie nennt) bewaffnet gewesen wären. Das ist eine glatte Lüge! Videos und Fotos zeigen, wer Waffen hatte und benutzt hat, um die gefangenen Anti-Maidan-Aktivisten in dem Gebäude zu töten: die ukrainischen Pro-Maidan-Mörder von Odessa. Aber das passt nicht in das Narrativ von SPIEGEL-Online und Benjamin Bidder."
    

    Wenn der Spiegel-Korrespondent Bidder und die Linksjugend zum Odessa-Drama gleichermaßen falsch artikulieren, was sagt uns das?

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