Mahnwache für den Frieden, 28.02.2015

11016088_1603527473192877_492984644756087712_nDer Platz der Republik bot am Samstag, dem 28. Feb. ein nicht alltägliches Bild. Bereits von weitem sichtbar kündigten schwarz-rot-goldene und weiß-blau-rote Fahnen eine besondere Veranstaltung an.

Die Berliner Friedensinitiative „Frieden. Jetzt !“ rief zur Kundgebung auf. Gegen 14:00 Uhr füllte sich der Vorlauf des Reichstages allmählich mit Menschen die gewillt waren, ein deutliches – und auch laut wahrnehmbares – Zeichen gegen Aggressionen in Europa und für gute Beziehungen zu unseren östlichen Nachbarn zu demonstrieren.

Nachdem die Organisatoren Grußworte an das Publikum richteten, hatte Etita Hosic als erste die Ehre, sprechen zu dürfen. Sie rief alle aufgeweckten Menschen, gleichgültig welcher Herkunft, Religion oder parteipolitischer Orientierung dazu auf, nicht kleingeistig zu sein, und sich sowohl hier, als auch in ihrer Heimatregion gemeinsam für den Frieden einzusetzen.Mahnwache Berlin 012

Ihr Nachfolger, Victor Seibel aus Kassel, konnte für sich in Anspruch nehmen, bereits  tatkräftig engagiert zu sein – trotz oder vielleicht auch wegen des Studiums, das er absolviert. Er gründete die Mahnwache Kassel und ist auch in der Orga von ENDGAME  ( gegen die „Amerikanisierung“ ) aktiv. Er forderte dazu auf, unverzüglich einen Bündniswechsel einzuleiten.  Nachdruck verlieh er seinen Forderungen mit einem Zitat des NATO-Generalsekretärs Hastings Ismay ,  von 1949 ( ! ) ,mit den Worten :

Sinn und Zweck der NATO ist es                 

– die Russen aus Europa heraus zu halten                        

– die Amerikaner in Europa zu etablieren                         

– die Deutschen in Europa unten zu halten…  „

Abschließend appellierte er an die Bundesregierung, den Aggressionskurs gegenüber Russland NICHT zu verschärfen, Konflikte abzubauen und bestehende Sanktionen unverzüglich zu beenden.

Mahnwache Berlin 010Nach Victor Seibel meldete sich u n p l a n m ä ß i g  die 76 jährige Paulina an die Zuhörer. Sie sei wie ihr Vorredner eine Russlanddeutsche. Allerdings mit einem – nicht unwichtigen – Unterschied. Sie kann sich aus ihrer Kindheit an den Krieg erinnern und rief unsere Generation dazu auf, nicht Leichtfertig mit dieser essentiellen Frage umzugehen und alles für deren Erhaltung zu tun. Sie wies energisch darauf hin, dass Kriege IMMER von Raubtieren entfesselt werden, das diese Unart im Kapitalismus begründet ist. Deren Völker dürfen dafür die Rechnung bezahlen – wie sie am eigenen Leib spüren musste. Deren Folgen tragen alle – außer: die Profiteure, die ihn ermöglichten.

Mit Jenny betrat eine der Organisatoren der Soldatenmütter die Bühne. Energisch, wütend und sehr emotional drückte sie ihren Unmut über die Fahrlässigkeit der Herrschenden aus.  Sie sagte, ihr würde von Männern und Frauen in wehfähigen Alter oft erzählt, sie seinen Kriegsdienstverweigerer, untauglich gemustert worden oder Zivildienstleistende – sie beträfe ein Krieg in Europa nicht. Welch ein fataler Irrtum hielt sie entgegen. Ihre eigene Mutter musste in Bremerhaven verkraften, das ein Kind von ihr, in unmittelbarer Nähe, ohne dass sie ihr hätte helfen können, verbrannte. Nachdem der Luftangriff beendet war, blieb von ihrem Kind nicht mehr ein Haufen verbranntes Stück Menschenfleisch übrig. Zeit zum verkraften – von verarbeiten noch gar keine Rede – blieb ihrer Mutter nicht: sie musste sich um die verbliebenen Kinder, darunter die Rednerin, kümmern.Mahnwache Berlin 009

Von der Hamburger Mahnwache erschien Kathrin McClean. Sie betonte, wie schwer es ihr falle, nach diesen emotionalen und rhetorisch mitreißenden Vorrednern nun folgen zu dürfen. Sie schloss sich ihren Vorrednern an, und stellte Fragen an die Bundesregierung:

  • Ist die Bundeswehr noch eine Verteidigungsarmee ?
  • erstreckt sich Deutschland etwa bis nach Afghanistan und in die Ukraine ??
  • Verteidigen wir die Demokratie, deren sogenannte Liberalität und Menschenrechte ?
  • wenn ja, warum unterstützen wir dann rechtsradikale Oligarchen in der Ukraine und anderswo ?
  • Wie ist es möglich, das eine Friedensbewegung als „Neurechts“ verleumdet wird ?
  • oder ist es mittlerweile rechtspopulistisch Frieden zu wollen ?
  • Jazenjuk bezeichnete seine Landsleute in der Ostukraine als „Untermenschen“. Und das sind die Verbündeten unserer Bundesregierung ?

Nach dem Krieg verständigten sich die Überlebenden ALLER polit. Lager auf eine Formel :

NIE WIEDER KRIEG !

Diese simple Botschaft soll nun überholt sein ? Zum Abschluss zitierte sie ein Gedicht von Wolfgang Borchert:

„ Dann gibt es nur eins!
Du. Mann an der Maschine und Mann in der Werkstatt. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst keine Wasserrohre und keine Kochtöpfe mehr machen – sondern Stahlhelme und Maschinengewehre. dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Mädchen hinterm Ladentisch und Mädchen im Büro. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst Granaten füllen und Zielfernrohre für Scharfschützengewehre montieren, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN! Du. Besitzer der Fabrik. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst
statt Puder und Kakao Schießpulver verkaufen, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Forscher im Laboratorium. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst einen neuen Tod erfinden gegen das alte Leben, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Dichter in deiner Stube. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst keine Liebeslieder, du sollst Haßlieder singen, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Arzt am Krankenbett. Wenn sie dir morgen befehlen, du
sollst die Männer kriegstauglich schreiben, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Pfarrer auf der Kanzel. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst den Mord segnen und den Krieg heilig sprechen, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Kapitän auf dem Dampfer. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst keinen Weizen mehr fahren – sondern Kanonen und Panzer, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Pilot auf dem Flugfeld. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst Bomben und Phosphor über die Städte tragen, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Schneider auf deinem Brett. Wenn sie dir morgen befehlen,
du sollst Uniformen zuschneiden, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Richter im Talar. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst zum Kriegsgericht gehen, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Mann auf dem Bahnhof. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst das Signal zur Abfahrt geben für den Munitionszug und für den Truppentransport, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!

Wolfram von der Kasseler Mahnwache folgte ihr darauf. Er wies drauf hin, in welcher außer-gewöhnlichen Situation wir uns in Europa mittlerweile befinden. In scharfen Worten verurteilte er die Selbstherrlichkeit der amerik. Expansionspolitik. Die Heimsuchungen Amerikas bezeichnete er als Virus das Europa und weite Teile der Welt infiziert hätte. Er forderte die Amerikaner dazu auf, ihre Stützpunkte zu räumen und den Völkern Europas ihre Souveränität zurückzugeben.

Und dann kam…

DER Franzose: Es würde zu weit führen, all die Missstände aufzuführen, die Stephane Simon mit seiner gewohnt erheiternden Art dem Publikum darbot. Ein Ausschnitt sei erzählt: Er lobte die schöne Architektur des Reichstages, bemerkte aber dazu, das es wohl das einzige Parlament der Welt sei, das es liebt mit Füßen getreten zu werden… Als Mahnwache Berlin 020gebürtiger Franzose wuchs er mit dem Klischee der Organisationskunst des deutschen Volkes auf. Und heute werden Desaster wie i Stuttgart, Hamburg oder dem BER mit den Deutschen in Verbindung gebracht. Er äußerte die Befürchtung, das mit der DDR wohl auch die Deutschen insgesamt, mit ihrer Organisationskunst, der Ordnung und kulturellen Leistungen von der Weltbühne abgetreten sind. Sofern die deutsche Bevölkerung sich nicht doch noch besinnt und sich ihre innere und äußere Souveränität, ihre kulturellen Eigenheiten und ihre soziale Würde zurück holt.

Noch während „DER Franzose“ sprach, traf der Chefredakteur von Compact, Jürgen Elsässer, ein. Aufgrund seiner oft provokativen Ansichten war es offenbar nötig, das Mitarbeiter von ihm die Abschirmung sicherten. Komplikationen erwartete offenbar auch die Berliner Polizei. Zeitgliech mit seinem erscheinen bezogen ca. 20 Polizisten mit Sturmhauben Position.

In seinen Ausführungen beschrieb er die „false flag“ Aktionen des Westens. Von den ungeklärten Todesschüssen auf dem Maidan, über den höchst mysteriösen Abschuss der MH 17 bis hin zum Todesfall des russischen Oppositionspolitikers Boris Nemzow. Putin soll bereits 2012 bemerkt haben:

„Die Opposition wird einmal einen ihrer eigenen Leute opfern, um es dann dem Präsidenten zur Last zu legen.“

Weiter zitierte er ein kommunistisches Gedicht der 30er Jahre:

Es geht durch die Welt ein Geflüster:
Arbeiter, hörst du es nicht?
Das sind die Stimmen der Kriegsminister:
Arbeiter, hörst du sie nicht?
Es flüstern die Kohle- und Stahlproduzenten,
Es flüstert die chemische Kriegsproduktion,
Es flüstert von allen Kontinenten:
Mobilmachung gegen die Sowjetunion !

Und so sei es auch heute, so J. Elsässer. Wenn der Westen von „Menschenrechten“ redet, so meint dieser Schürfrechte.

Egal ob der Gegner dazu das zaristische Russland, die kommunistische Sowjetunion oder das turbokapitalistische Russland ist.

Er ging dann auf die deutsche Linkspartei ein und appellierte an diese, sich ein Beispiel an ihrer griechischen Schwesterpartei, der Syriza zu nehmen, und zur Rettung der Nation vor US- und EU-Imperialismus den Schulterschluss mit allen anderen zu suchen, die die gleichen Ziele verfolgen.

Genosse Gysi ! Lernen Sie von Tsipras ! Die Unterschiede heißen heute NICHT, links und rechts, sondern Anpassung oder Widerstand !

Er wünschte dem griechischen Volk viel Erfolg auf ihren Kurs und appellierte an die griechische Führung, zur Not auch zum äußersten Mittel zu greifen und ggf. die Währungsunion von sich aus zu verlassen.

Denn alles sei besser, als die Diktatur der EU und des IWF, so Elsässer.

Nachdem noch weitere Redner die Gelegenheit zur Ansprache nutzten, konnten die Organisatoren auf eine gelungene, abwechslungsreiche und mit über 2.000 Personen sehr gut besuchte Demonstration zurückblicken.

Mit dem Wissen, dass es wohl noch ein weiter und über lange Strecken holpriger Weg zu gesicherten Frieden und Selbstbestimmung der Völker ist, wurde die Mahnwache beendet und die Teilnehmer nahmen den Heimweg auf sich.

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