Nachdenken über PEGIDA

Das ist ein Versuch, Meinungen zusammenzustellen, die nach meiner Ansicht ernst genommen werden sollten, einschließlich der Schlussfolgerungen. Da es viele gute Überlegungen zu PEGIDA gibt, ist dieser Versuch eine Gemengelage von (längeren) Zitaten und entsprechenden Links zu den vollständigen Originalquellen geworden.

1. Am Anfang waren Abqualifizierung und Beschimpfungen

Rechter Spuk, als Religionskritik getarnten Rassismus, Rassismus der Rechten, Chauvinisten in Funktionswäsche (letzteres im nd vom 24.12.14), dürftig als Religionskritik getarnter Rassismus. „Es vermischt sich das Gutbürgerliche, das Kleinbürgerliche, das Reaktionäre und Pöbelhafte und behauptet: Wir sind das Volk!“(Prantl in der SZ).

Der Theologe Friedrich Schorlemmer nannte es »unverschämt, frech, geschmacklos und missbräuchlich«, wenn der 1989er Ruf »Wir sind das Volk« bei Aktionen gegen Flüchtlinge und Muslime gerufen werde (24.12.2014).

„Jesus hätte gekotzt, hätte er euch getroffen“, schrieben DDR-Oppositionelle an die Adresse der Pegida-Demonstranten. „Ihr riecht nach dem Provinzmief hinter der Mauer.“ Und: „Ihr sprecht nicht für 89. Ihr sprecht für keine Freiheitsbewegung.“

„Das ist nicht nur in der Sache richtig, sondern auch im Ton. Mit diesen Leuten gibt es nichts zu bereden.“

Es ist „Antiislamischer Rassismus als ideologischer Kitt eines entstehenden rassistischen Wutbürger-Blocks, der „rechts“ und „links“ überholt findet.“

Ein Teilnehmer hält dagegen: „Ich bin Richter im Freistaat Sachsen und habe an der letzten Demonstration teilgenommen. Wollen Sie mich als Ratte bezeichnen?“ Markus Scheffer in einem Leserbrief an die FAZ. Diese verglich die PEGIDA-Initiatoren mit dem »Rattenfänger von Hameln«.

2. Warum so eine grosse Teilnehmerzahl?

PEGIDA und die aktuellen „Montagsdemos“ mögen partiell unterschiedliche Positionen vertreten – bedeutsamer erscheint ihre sozialpsychologische Gemeinsamkeit als „Wutbürger“, deren öffentliche Äußerungen einen hohen Grad an Aggression und Irrationalität miteinander verbinden“.

„Pegida-Demo-Bürger fühlen sich noch immer nicht verstanden.“

Dazu detaillierter z.B. Gesine Schwaan:

„Menschen, die sich verunsichert fühlen – und das müssen keineswegs Menschen am Rande der Gesellschaft sein, wie man sagt, sondern durchaus gerade in der Mitte der Gesellschaft –, die sich vielleicht ohnmächtig fühlen gegenüber dem, was um sie herum geschieht, dass sie eine große Wut und ein großes Ressentiment entwickeln. Das ist etwas, was sozialpsychologisch völlig fast normal ist, wenn man so sagen will, und was eben auf ganz vehemente Abstiegsängste zurückgeht.

Das heißt nicht, dass es sozial Schwache sein müssen, das heißt nicht, dass es arme Menschen sein müssen, sondern das sind Menschen, die bei sich selbst oder um sich herum erleben, dass sie ganz schnell absteigen können und dass um sie herum eben solcher Abstieg auch angesagt ist. Und dieses Problem bringt Wut hervor (ebenda).

„Vorurteil ist unabhängig von dem, wogegen es sich richtet“

Wir müssen doch sehen, dass die Diskrepanzen zwischen Arm und Reich immer stärker geworden sind, dass die berühmte Mittelschicht ja eher sich zerrieben fühlt.

Die Hauptwähler der Nationalsozialisten waren nicht die sozial Schwachen, sondern waren Mittelschichten, waren auch zum Teil Bildungsbürger, die sich abgehängt gefühlt haben.“

Noch weiter geht konjunktion:

„Viele Menschen nutzen aus ganz unterschiedlichen Beweggründen ihr Demonstrationsrecht. Dabei kann ich mich nicht des Eindrucks erwehren, dass viele davon gar nicht wegen eines bestimmten Grundes auf die Straße gehen. Dass sie vielmehr Bewegungen, wie PEGIDA, dazu nutzen, um ihre allgemeine Unzufriedenheit nach außen zu transportieren.

Eine Unzufriedenheit, die sich aus vielen verschiedenen Quellen speist und die die wenigsten konkret benennen können, vielmehr innerlich spüren. Das Bauchgefühl, dass irgendetwas nicht stimmen kann, veranlasst die Menschen quasi dazu etwas zu tun, das insbesondere in Deutschland eher eine Ausnahme als die Norm ist, wenn man den Normalbürger als Maßstab heranzieht: Demonstrieren.

Ich glaube, dass viele Menschen instinktiv spüren, dass das seit gut 100 Jahren anglo-amerikanisch dominierte System auseinander zu brechen beginnt. Sei es das Finanzcasino, sei es das Schuldgeldsystem und Fiat Money, sei es das Petrodollar-System. Zu viele Brandherde sind seit Zusammenbruch des Ostblocks gelegt und zuviele Präzedenzfälle erklärt worden. Viele sehen in 9/11 den Auslöser dieser Entwicklung. Ich verorte den Beginn aber bereits einige Jahre vorher. Für mich war der erstmalig greifbare, wahrnehmbare Punkt, der illegale Angriffskrieg gegen Ex-Yugoslawien. Ab diesem Zeitpunkt wusste der US-geführte Westen, dass weder die UN eine Relevanz besitzt, noch dass irgendwelche Konsequenzen bei der Durchführung ihrer geopolitischen Strategien zu befürchten waren. Alles nachfolgende – auch 9/11 – müssen wir in diesem Kontext sehen, da man wusste, dass sich die Öffentlichkeit unkritisch gegenüber Großereignissen zeigen würde.

Diese unkritische Haltung scheint sich aber langsam zu drehen, wie der wachsende Zulauf beispielsweis bei vielen Demonstrationen zeigt. Da sich zudem die Brandherde in ihrem Ausmaß und in ihrer Abfolge zu beschleunigen scheinen, ist davon auszugehen, dass die Demonstrationen an Größe zunehmen werden – auch wenn der eigentliche “Demo-Aufhänger” nicht immer der eigentliche Grund für die Teilnahme vieler Menschen sein wird. Es scheint, als würden weltweit die Menschen aus ihrer Agonie erwachen und erkennen, dass nicht das System den Menschen dient, sondern die Menschen dem System. Immer mehr lassen ihr Phlegma des Hinnehmens hinter sich und engagieren sich gegen offensichtliche Mißstände und Widersprüche. Und dieser Gefahr sind sich auch die Politiker und dahinterstehenden Kreise sehr wohl bewusst, dass das ihnen nützende System sich nicht mehr allzu lange aufrecht erhalten lassen wird.

Doch jenes Erkennen der Gefahr birgt große Risiken für die Menschen in sich. Nicht umsonst wurden die Polizeieinheiten weltweit regelrecht militarisiert, Überwachungssysteme ausgeweitet und Gesetze eingeführt, die das Demonstrationsrecht massiv einschränken bzw. zum Teil abschaffen (Spanien) oder den Einsatz von ausländischen Polizeikräften (Eurogendfor) erlauben.“

3. Ausgrenzung ist nicht hilfreich

„Ausgrenzung ist ja auch einfacher als ein Diskurs. Ausgrenzung mit perfiden Schlagwörtern wie

  • altersdement,
  • rechtsgerichtet,
  • antisemitisch,
  • Verschwörungstheoretiker oder die neueste Think-Tank-Kreation
  • Putinversteher…

Wir müssen endlich begreifen, dass wir in diesem unseren Land, das so gespalten wie zuletzt in der Weimarer Zeit zu sein scheint, wieder einmal auf das klassische Teile und Herrsche hereinfallen.

Auch Dieter Dehm benennt die Gefahr des Geteiltwerdens:

„Immerzu werden Antifaschisten und Antimilitaristen hierzulande mit der Forderung bedrängt, sich von anderen zu distanzieren. Als eine besonders wirksame Methode des Auseinanderdividierens erweist sich die Anschuldigung, diese oder jene Gruppe und jeder, der mit ihnen Umgang habe, seien Faschisten.

Kürzlich schrieb mir ein führendes Mitglied der Partei Die Linke, Antifaschismus bedeute für ihn,

,“gegen antiemanzipatorische, antihumanistische, diskriminierende, rassistische, sexistische, antisemitische und nationalistische Tendenzen vorzugehen, denn diese führen in letzter Konsequenz zum Faschismus, den es zu bekämpfen gilt“. Ja gut, aber … Es ist einfach töricht, die Überwindung von Vorurteilen zur Vorbedingung gemeinsamer Aktionen zu machen. Vielmehr lassen sich Vorurteile gerade in der gemeinsamen Aktion überwinden.“

kommunisten-online.de analysiert etwas ausführlicher, warum Ausgrenzen nicht hilfreich sein kann: Die Webseite meint,

„PEGIDA, eine durch den Hass auf „andere“, „von außen kommende“, „Fremde“ zusammengehaltene Ansammlung von Gruppen und Menschen ist eine geradezu klassische Erscheinungsform derer, die lieber nach vermeintlich Unten treten, als gegen Oben zu kämpfen.

Denn zu Recht sind Millionen Menschen in der BRD wütend über die von Kapital und den Parteien CDU/CSU, SPD, FDP und GRÜNEN zu verantwortende Politik des Sozialabbaus, der faktischen Rentenkürzung, der zunehmenden Militarisierung nach innen und außen. Aber hiergegen, dh. letztlich: gegen die kapitalistischen gesellschaftlichen Verhältnisse und ihren deutsch-imperialistischen Ausdruck effektiv zu kämpfen wäre viel gefährlicher und härter, erforderte viel mehr Wissen, Mut, Organisation und Disziplin, als derzeit vorhanden…

Zu Recht sind Hunderttausende wütend über ihre soziale Abqualifizierung im Gefolge der AGENDA-Politik und der bevorstehenden Rentenkürzungen, die für viele Altersarmut bedeuten werden – unter den Bedingungen einer Weltwirtschaftskrise, von der viele ahnen, daß sie weder vorbei ist, noch, was sie zusätzlich Schlimmes bringen kann. BILD und Konsorten ist es zu einem nicht geringen Maß gelungen, diese Wut auf „Pleitegriechen“ usw. umzulenken. „Der Islam“ bietet sich hier ebenfalls geradezu an.

Zu Recht sind Millionen von Menschen in den vergangenen Monaten angesichts der Ukraine-Krise vielleicht wie nie zuvor darauf aufmerksam geworden, wie sehr für die Massenstimmung im Land maßgebliche Medien offenkündig manipulieren und lügen. Die Wut darüber fällt nicht vom Himmel. Aber Journalisti_nnen vor Ort in Dresden oder anderswo sind sicher nicht die, die das zu grundsätzlich entschieden haben, und es gibt schon einen himmelweiten Unterschied zwischen BILD und der „jungen Welt“, der von den PEGIDA-Verantwortlichen absichtsvoll und eingeebnet wird, wodurch ihre Verlautbarungen das einzige Orakel zur Erklärung aller Übelstände werden…

Zu Recht haben viele Menschen im Land eine Vorstellung davon, welches Ausmaß an Entdemokratisierung die Europäische Union bedeutet, besonders in Zeiten der von einer fast allmächtigen GroKo widerstandslos durchgezogenen CETA- und TTIP-Unterordnung großer Teile der das alltägliche Leben bestimmenden Rahmenbedinungen unter eine demokratiefreie Zone von Staatsapparaten, ominösen Schiedsgerichten und Konzernen.“ (Unterstreichungen von mir, Hg.).

Auch konjunktion interpretiert die bisherigen Pegida-Erfolge ähnlich:

„Immer mehr Menschen gehen auf die Straße. Sei es in Dresden (PEGIDA). Sei es in Berlin (Friedenswinter). Sei es in Budapest. Sei es in Athen. Sei es in Paris oder Madrid. Sei es in vielen Städten der USA.

Viele Menschen nutzen aus ganz unterschiedlichen Beweggründen ihr Demonstrationsrecht. Dabei kann ich mich nicht des Eindrucks erwehren, dass viele davon gar nicht wegen eines bestimmten Grundes auf die Straße gehen. Dass sie vielmehr Bewegungen, wie PEGIDA, dazu nutzen, um ihre allgemeine Unzufriedenheit nach außen zu transportieren.

Eine Unzufriedenheit, die sich aus vielen verschiedenen Quellen speist und die die wenigsten konkret benennen können, vielmehr innerlich spüren. Das Bauchgefühl, dass irgendetwas nicht stimmen kann, veranlasst die Menschen quasi dazu etwas zu tun, das insbesondere in Deutschland eher eine Ausnahme als die Norm ist, wenn man den Normalbürger als Maßstab heranzieht: Demonstrieren.

Ich glaube, dass viele Menschen instinktiv spüren, dass das seit gut 100 Jahren anglo-amerikanisch dominierte System auseinander zu brechen beginnt. Sei es das Finanzcasino, sei es das Schuldgeldsystem und Fiat Money, sei es das Petrodollar-System. Zu viele Brandherde sind seit Zusammenbruch des Ostblocks gelegt und zuviele Präzedenzfälle erklärt worden. Viele sehen in 9/11 den Auslöser dieser Entwicklung. Ich verorte den Beginn aber bereits einige Jahre vorher. Für mich war der erstmalig greifbare, wahrnehmbare Punkt, der illegale Angriffskrieg gegen Ex-Yugoslawien. Ab diesem Zeitpunkt wusste der US-geführte Westen, dass weder die UN eine Relevanz besitzt, noch dass irgendwelche Konsequenzen bei der Durchführung ihrer geopolitischen Strategien zu befürchten waren. Alles nachfolgende – auch 9/11 – müssen wir in diesem Kontext sehen, da man wusste, dass sich die Öffentlichkeit unkritisch gegenüber Großereignissen zeigen würde.

Diese unkritische Haltung scheint sich aber langsam zu drehen, wie der wachsende Zulauf beispielsweis bei vielen Demonstrationen zeigt. Da sich zudem die Brandherde in ihrem Ausmaß und in ihrer Abfolge zu beschleunigen scheinen, ist davon auszugehen, dass die Demonstrationen an Größe zunehmen werden – auch wenn der eigentliche “Demo-Aufhänger” nicht immer der eigentliche Grund für die Teilnahme vieler Menschen sein wird. Es scheint, als würden weltweit die Menschen aus ihrer Agonie erwachen und erkennen, dass nicht das System den Menschen dient, sondern die Menschen dem System. Immer mehr lassen ihr Phlegma des Hinnehmens hinter sich und engagieren sich gegen offensichtliche Mißstände und Widersprüche. Und dieser Gefahr sind sich auch die Politiker und dahinterstehenden Kreise sehr wohl bewusst, dass das ihnen nützende System sich nicht mehr allzu lange aufrecht erhalten lassen wird.

4. Spontan oder gesteuert?

Dazu bietet konjunktion sehr interessante Überlegungen an, die man hier unbedingt nachlesen sollte.

Und kommunisten-online merkt an, auffällig sei allein schon

„die pure Menge tagtäglicher Berichte über dieses angeblich völlig neue „Phänomen“, das allein schon dadurch genau den Anstrich von Normalität bekommt, den es braucht.

Es wäre naiv, zu meinen, dies sei ein lediglich unbeabsichtigter, von den Herrschenden nicht erwünschter oder gar dysfunktionaler Vorgang. Eine solche publicity bekommen einige Tausende rückwärtsgewandter rassistisch verwirrter Menschen oder Fanatiker der Abschottung Deutschlands nicht einfach so, ohne die Billigung derer, die in Deutschland wirklich in der Tendenz darüber entscheiden, was gesendet wird und was nicht, also des deutschen Finanzkapitals. Welches seiner Interessen bringen sie zum Ausdruck?

Schärfer: wenn PEGIDA als aktuelle Erscheinungsform einer sich potentiell entwickelnden faschistischen Bewegung im oben unter Verweis auf Kühnl gemeinten Sinn verstanden werden soll – welche Kapitalfraktionen Deutschlands könnten ein Interesse an ihr haben?“

5. Potentielle Gefahren

Schwaan (siehe Abschnitt 2) verweist auf historische Parallelen: „Die Hauptwähler der Nationalsozialisten waren nicht die sozial Schwachen, sondern waren Mittelschichten, waren auch zum Teil Bildungsbürger, die sich abgehängt gefühlt haben.“

Aktuell gilt:

„Doch jenes Erkennen der Gefahr birgt große Risiken für die Menschen in sich. Nicht umsonst wurden die Polizeieinheiten weltweit regelrecht militarisiert, Überwachungssysteme ausgeweitet und Gesetze eingeführt, die das Demonstrationsrecht massiv einschränken bzw. zum Teil abschaffen (Spanien) oder den Einsatz von ausländischen Polizeikräften (Eurogendfor) erlauben.

Bringt man nun diese beiden Dinge zusammen – Zulauf bei den Demonstrationen und zunehmende Überwachung, Militarisierung -, dann muss man davon ausgehen, dass die Staatsgewalt ihr Gewaltmonopol bei zukünftigen Großdemonstrationen vehementer einsetzen wird…

Die letzten Tage des Jahres 2014 scheinen – trotz Weihnachten – nicht besinnlich und ruhig zu werden. So gibt es im Netz Aufrufe bzw. Listensammlungen für den 22. Dezember per Bus und Bahn nach Dresden zur dortigen PEGIDA-Demonstration zu reisen. Sollten wir in den nächsten Wochen eine kritische Masse von etwa 75.000 bis 100.000 Menschen in Deutschland sehen, die in verschiedenen Städten auf die Straße gehen, dann scheint obiges Szenario des Aufeinanderprallens von Volk und Staat nicht mehr bloße Fantasie zu sein. Genausowenig wie, dass dann ein gesteuertes “Unmut”-Ventil der rettende Strohhalm für Politik und dahinterstehende Eliten sein kann…“

kommunisten-online.de:

„… der angesichts endloser Skandale und Affären nachvollziehbare, aber eben auch geschürte Hass auf „die Politiker“ ruft natürlich in letzter Konsequenz nur allzuleicht dann nach „dem Politiker“, der sich als charismatischer Führer an die Spitze der unzufriedenen Masse setzen und sie gegen die angeblich an aller Misere schuldigen Fremden führen soll. Das wird sicher kein Lutz Bachmann sein, aber die Rolle, die dieser Mensch derzeit spielen kann beweist bereits, mit wie wenig die PEGIDA-Verhetzten zufrieden zu stellen sind, wenn sie nur im Gegenzug eine Möglichkeit bekommen, ihre oft ungerichtete Wut herauszubrüllen – auch wenn es in die völlig verkehrte Richtung ist. Man stelle sich nur mal einen Moment lang vor, eine Gestalt à la Freiherr zu Guttenberg stellte sich dieser „Bewegung“ zur Verfügung…“

 

Ein Kommentator zu konjunktion merkt an (es ist in jedem Fall interessant, auch die Kommentare zu den Beiträgen zu lesen!):

Das Regime kollabiert unter der Last seiner Hirnrissigkeiten und der zunehmenden Verelendung der Bürger.

Da nützt es auch nichts mehr, wenn aus der ganzen Republik eiligst die -ansonsten- bewährten “Anti”-Faschisten mit Gewerkschaftsbussen angekarrt werden und jetzt auch noch extra Bezahlung erhalten (Küstenbarbie Bräsig – oder so ähnlich – finanziert sie bereits mit vielen Millionen).

Egal, ob Flutung mit allem, was die Asylindustrie in den Elendsgebieten Arabiens und Afrikas zusammenkratzen kann (selbst zurückkehrende Massenmörder bekommen eine 2. Chance – keine Ironie, sondern bitter ernst-), Banken- und US-Hedgefonds Rettung inklusiv TTIP, Ceta usw. zur völligen Versklavung und Ausplünderung der Völker Europas und insbesondere des deutschen Bürgers oder gar die Weltenrettung mit Windmühlchen: die Lügen der System- bzw. Regime-Medien werden nicht mehr geglaubt.

Wer jetzt allerdings annimmt, dass das Regime ähnlich wie in der DDR einfach aufgibt, wird sich getäuscht sehen; dieses Regime hat keine Flucht-Option und wird notfalls auf das eigene Volk schießen lassen.

Dass die Ermordung breiter, eigener Bevölkerungsschichten für das jetzige Regime (EU/BRD) mit keinerlei Skrupel verbunden ist, ist alleine schon daran zu erkennen, dass Merkel den ukrainischen Faschisten gerade 500 Mio für neue Munition geschenkt hat, und die EU-Polit-Offiziere dem nicht nachstehen wollten, denn möglicherweise braucht man deren Mordbrenner-Banden in Kürze auch hier für den Erhalt der eigenen Macht.“

6. Schlussfolgerungen, Handlungsempfehlungen

  • Im Internet gibt es eine Petition gegen Pegida, , die ich nicht unterschreiben werde, denn dieser Ansatz überzeugt mich nicht: (a) Formal: Eine Petition richtet sich immer an eine natürliche oder juristische Person, die – gegebenenfalls – dem Petitionsanliegen entsprechen könnte/sollte. An wen adressiert diese „Petition“? (b) Die „Petition“ läuft letztendlich auf eine Ausgrenzung der Demonstrierenden hinaus. Ausgrenzung stabilisiert in der Regel die Ausgegrenzten, führt oft auch zu weiterer Solidarisierung. Das aber kann keiner wollen. Zum einen, weil mit einem neuen „Führer“ die Sache voll aus dem Ruder laufen könnte. Zum anderen und vor allem, weil wir den Unzufriedenen, die da demonstrieren, bessere Begrifflichkeiten anbieten sollten, die die Gründe ihrer Unzufriedenheit besser ausdrücken.
  • Die Bundes-Antikapitalistische Linke empfiehlt in einem Beitrag vom 18. Dezember 2014 „Spieleabende und Klassenkampf“  quasi als Gegenmittel zu Pegida. Der Text ist lang, voller Worthülsen  und wird wohl keinen einzigen Pegida-Demonstranten von der Straße holen.
  • ein zum Nachdenken einladender Artikel, wenngleich ich selbst es gerne weniger schwarz-weiß gehabt hätte: http://www.jungewelt.de/2014/12-27/063.php Neben richtigen Sichten wie „Es braucht glaubwürdige und konsequente linke Organisationsstrukturen. Gerade weil die Partei Die Linke, aber auch manche Gewerkschaften dieses Feld nicht mehr aktiv besetzen, sondern offensichtlich dabei sind, es zu räumen…“ findet man leider wieder die Verteufelung potentieller Verbündeter, seien es auch nur Verbündete auf Zeit. –
  • kommunisten-online nennt im Schlusskapitel des Pegida-Beitrages „Handlungsmöglichkeiten und Aktionsformen“, denen ich mich vollinhaltlich anschließen kann.
  • Am besten aber gefällt mir, auch weil sehr kurz und klar, das Schlusskapitel im taz-Artikel „Pegida-Debatte“: „Was kann man dagegenhalten? Wenn in populistischen Momenten „die Aufladung der Politik mit Identitätsanliegen“ zentral ist, wie Claudia Ritter anmerkt, muss der Umgang damit dem Rechnung tragen. Er muss etwas anderes bieten als einen Vernunftaufruf. Populismus kann man nicht mit Aufklärung begegnen, weil diese anderswo andockt, weil sie die Gefühle nicht erreicht. Populismus kann man aber auch nicht mit anderen Populismen begegnen, weil die Kopie nicht überzeugt. Populismus kann man nur mit symbolischer Politik begegnen. Mit einem anderen politischen Identitätsangebot. Einer Politik also, die die Emotionen berührt.“ (Hervorhebungen von mir, Hg.).
  • Eine Herausforderung also, die an DIE LINKE adressiert – und die bisher von ihr nicht angenommen wird. Schlimm angesichts der potentiellen Gefahren (Abschnitt 5). Unverantwortlich.

Zwei Nachträge:

„Am Ende ist jedenfalls überall ziemlich viel Dreck am Stecken. Den meisten Dreck haben wir jedoch in Politik und Wirtschaft. Dort sitzen die gierigsten und abartigsten Psychopaten. Vielleicht sollten wir erst dieses Problem lösen. Dann verschwinden die anderen Probleme vielleicht von selbst. DIE DA OBEN WOLLEN NÄMLICH NICHT, DAS WIR UNS ALLE GEGENSEITIG LIEB HABEN! 🙂 Wenn das der Fall wäre, würden wir merken, dass DIE DA OBEN UNS ÜBERHAUPT NICHT LIEB HABEN 😦 .  So einfach ist das eben. Und vielleicht ist das genau der Punkt. Am Ende haben wir mit den Menschen anderer Länder und Kulturen viel mehr gemein, als mit unseren eigenen Regierungen.“ http://www.neopresse.com/gesellschaft/anotherview/kommentar-pegida-jetzt-kommt-licht-ins-dunkel/

„Dass nach 25 Jahren wieder Menschen mit den Sprechchören von 1989 auf der Straße sind, irritiert die etablierte Politik. Ihnen ihre Wut auszureden, wird nicht genügen. Ihre ausländerfeindlichen Forderungen zu erfüllen, verbietet sich. Aber was dann?…“ http://www.neopresse.com/gesellschaft/pegida-wie-1989-eine-eruption-aus-der-alternativlosigkeit/

Noch etwas ganz wichtiges: Der im vorstehenden Beitrag mehrfach zitierte Artikel „Deutsche, kauft deutsche Zitronen! Kurt Tucholsky“ ist zwar – als Nachdruck – auf kommunisten-online.de erschienen (und wird vorstehend auch so verlinkt), stammt aber im Original von der Webseite wurfbude.wordpress.com und heißt dort „Deutsche Zitronen. Wie PEGIDA den Abendland-Fundamentalismus auf den Punkt bringt„. Das ist mir deshalb wichtig anzumerken, weil sich der Autor Herr Hans Christoph Stoodt sich wie folgt outet: „Ich lebe in Frankfurt/Main, bin evangelischer Theologe und arbeite an einer Berufsschule. Politisch zähle ich mich zur marxistischen Linken, fühle mich der Theologie der Befreiung verbunden und bin ohne Parteizugehörigkeit im außerparlamentarischen Bereich aktiv.“ Diese gute Nachricht wollte ich den Lesern der „versprengten Linken“ nicht vorenthalten.

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3 Antworten zu Nachdenken über PEGIDA

  1. Klabautermann schreibt:

    Überlegungen, um PEGIDA deutlich auf die „richtigen“ Inhalte zu fkussieren, findet man

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  2. Dr. Günter Hering schreibt:

    Wahnvorstellungen?

    Die „junge Welt“ schreibt heute (7.1.2015) über die gestrige PEGIDA-Demo in Dresden unter anderem: „Sprüche wie »Die Deutschen sind nur noch Bürger zweiter Klasse im eigenen Land« sind keine etwas danebengegangene Kritik, sondern drücken Wahnvorstellungen aus..“
    Wenn das so ist, dann habe ich Wahnvorstellungen. Als Ossi-Rentner bin ich in diesem Rechtsstaat Bürger zweiter Klasse. Allein durch den Umstand, dass den Ostrentnern alle Rentenansprüche, die sie während ihrer SVK-versicherten Ausbildung erworben haben, nicht anekannt werden. Obwohl es im Einigungsvertrag klar und deutlich heißt: „Erworbene Ansprüche werden übergeleitet“. Bei meiner Frau sind das z.B. 5 Jahre Studium + 4 Jahre Promotion + 5 Jahre Habilitation = 14 Jahre gestrichene Versicherungszeiten. Bei mir ist etwas weniger, weil ich nicht habilitiert habe. Hinzu kommt die Arbeitslosigkeit nach der Wende. Alles nur Wahnvorstellungen?

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  3. Günter Hering schreibt:

    So sind sie, die Pegida-Verurteiler!

    Marko Martin, 1989 aus der DDR in die Bundesrepublik gekommen, äußert sich in der taz wie folgt über Pegida: „Böse, verbitterte Spießer, die eben nicht an Lösungen zweifellos bestehender Probleme interessiert sind, sondern an einer – zumindest rhetorischen – Delegitimierung der liberalen Demokratie… Was aber das amorph schimpfende Kollektiv dieser sächsischen Duckmäuser betrifft: Das ist genau das Pack, vor dem ich im Frühjahr 1989 geflüchtet bin.“

    So sind sie, die guten, edlen, gebildeten DDR-Flüchtlinge und -Bürgerbewegten.

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